Ohne Pflaster in die Zukunft?
„Darüber möchte ich mir heute keine Gedanken machen.“
Das war die Antwort einer Frau, die seit 20 Jahren auf einer einsamen Insel in Norwegen lebt und dort eine Art Leuchtturmwärterin ist, auf die Frage, ob sie darüber nachdenkt, wenn sie irgendwann nicht mehr die vielen Treppen steigen kann.
Und ein weiterer Teil ihrer Antwort war: „Wenn ich nicht schon so lange hier leben würde und diese tägliche Bewegung hätte, dann wäre ich heute wahrscheinlich gar nicht so fit.“
Blauäugig oder einfach sehr weise?
Jetzt könnte man denken, dass das ziemlich blauäugig ist, nicht über die Zukunft nachzudenken.
Ich finde den Gedanken und ihre Einstellung auf eine gewisse Weise recht beruhigend. Denn es ist das, was der Buddhismus lehrt „Im Hier und Jetzt zu leben“. Und sich keine Gedanken über etwas zu machen, das eventuell in der Zukunft sein könnte. Aber eben auch nicht muss.
Das ist wie ein Pflaster auf die Haut zu kleben, wo noch gar keine Wunde ist. Nur schon mal vorbeugend. (ich muss mal schauen, in welchem Buch ich das gelesen habe. Fand ich ein schönes Bild).
Wir neigen manchmal dazu, uns Sorgen zu machen, über etwas, das vielleicht gar nicht passiert. Und dabei hat uns das Leben doch gelehrt, dass es oft anders kommt, als man denkt. Und schöne Pläne für die Zukunft, neu gedacht werden müssen. „Willst du Gott zum Lachen bringen, dann mache einen Plan.“ So oder ähnlich geht doch das Sprichwort.
Das heißt nicht, dass man keine Wünsche haben sollte und vielleicht auch Ziele. Und auch da gibt es so unterschiedliche Ansichten und vielleicht auch Weisheiten.
„Wer ohne Ziel durchs Leben geht, kommt nie irgendwo an???“
Im Gegenzug aber das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel.“
Oder auch: Wer sich nicht entscheidet bleibt immer auf dem Flur stehen?
Was sind deine Erfahrungen?
Ich merke gerade immer mehr, dass das Leben nicht oder zumindest wenig planbar ist.
Darüber hatte ich mit Antje Kreinjobst auch ein schönes Gespräch in meinem Podcast.
Irgendwie ist es doch auch ein schöner Gedanke, sich einfach mal vom Leben überraschen zu lassen. Am besten positiv natürlich.
Ich kenne aber auch Zeiten, wo ich manifestiert habe und das auch sehr erfolgreich. Anderseits sind aber auch Dinge in mein Leben gekommen, die ich vorher nicht auf dem Schirm und in meinem Manifestationsbuch hatte. Und die waren sehr schön. So kam zum Beispiel mein damaliger Naturkosmetikladen zufällig zu mir und blieb auch über 12 Jahre an meiner Seite. Dass ich irgendwann mal in den Niederlanden leben wollte, war schon über viele Jahre ein Wunsch auf meiner Liste und dieser Wunsch hat sich auch erfüllt.
Vielleicht sind Wünsche die softere Form der Planung.
Ich denke zum Beispiel auch, wenn man zu sehr auf das Ziel seiner Manifestation fokussiert ist, sieht man vielleicht gar nicht mehr die Türen, die sich links und rechts öffnen. Wohingegen man beim Wünschen die kleinen Zeichen des Lebens erkennt.
Aber ist es nicht auch gut, Ziele zu haben?
Diese Frage geht mehr an mich selbst. Und ich würde sagen, dass Ziele und Pläne etwas anderes sind.
Ziele sind greifbarer und im Vergleich zu Plänen, realistischer erreichbar. Sie sind konkreter. Ein Ziel kann mir Orientierung geben und auf dem Weg zu diesem Ziel, darf mir das Leben gern ein paar Türen und Fenster öffnen und mich gern überraschen.
Übrigens heißt das nicht, dass die Leuchtturmwärterin keine Pläne hat. Sie baut ein Gästehaus , einen Konzertraum und ein Restaurant für Menschen, die zu Besuch auf die Insel kommen. Aber sie macht sich keine Sorgen über etwas, das die Zukunft bringen könnte. Ich glaube, das ist der eigentliche Unterschied. Träumen, Wünschen, Planen in Leichtigkeit und dabei gut verbunden sein und im Vertrauen.
Ich denke, die Kunst ist es, ein Ziel zu haben, dafür einen Plan zu haben, so flexibel zu bleiben, dass man auf Veränderungen reagieren kann, dabei trotzdem im Augenblick zu leben und jeden Tag das Schöne sehen und zuversichtlich bleiben.
Was meinst du?
